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Tympanoplastik

Als Tympanoplastik wird ein rekonstruierender chirurgischer Eingriff am Schallleitungsapparat, genauer an Trommelfell und Gehörknöchelchenkette, bezeichnet.

Die Operation dient der Verbesserung der Hörleistung und beruht meist auf der Behebung einer Trommelfellperforation (Trommelfelldurchlöcherung) oder einer Kettenunterbrechung der Ossicula (Gehörknöchelchen).

Die Ossicula auditus bzw. Gehörknöchelchen sind für die Schallübertragung verantwortlich: Das Trommelfell überträgt die Schallschwingungen auf den Malleus (Hammer), von dort gelangen die Schwingungen über den Incus (Amboss) und den Stapes (Steigbügel) durch das sogenannte ovale Fenster zum Mittelohr.

Durch das runde Fenster, das durch eine Membran verschlossen ist, gelangt der Schall in das Innenohr und kann dort durch die Hörsinneszellen in der Gehörschnecke wahrgenommen werden.

Die verschiedenen Varianten der Tympanoplastik werden nach der klassischen Tympanoplastikeinteilung nach Wullstein in fünf Typen (I - V) unterteilt.

Die Tympanoplastik Typ II und III sind die am häufigsten durchgeführten Operationen. Eine genaue Charakterisierung der Eingriffe erfolgt unter dem Thema „Die Operationsverfahren“.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • chronische Otitis media mit pathologischen Veränderungen des Trommelfells
  • Cholesteatom (Synonym: Perlgeschwulst) – Einwucherung von mehrschichtig verhornendem Plattenepithel in das Mittelohr mit nachfolgender chronisch-eitriger Entzündung des Mittelohrs; die chronische Otitis media (Mittelohrentzündung) beim Cholesteatom wird als „chronische Knocheneiterung“ bezeichnet
  • Trommelfellperforation – z. B. traumatischer Genese (unfallbedingt)
  • Unterbrechungen der Gehörknöchelchenkette unterschiedlicher Art mit folgender Schwerhörigkeit

Vor der Operation

Vor der Operation sollte ein ausführliches Anamnesegespräch stattfinden, währenddessen der Patient über Risiken und Komplikationen aufgeklärt wird.

Teil der Operationsplanung ist die Bestimmung der Blutgerinnungswerte (PTT partielle Thromboplastinzeit Quick, Thrombozytenzahl), entsprechend sollte auf die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten (z. B. Aspirin, ASS) verzichtet werden.

Weiterhin muss eine Audiometrie (Hörtest) und ggfs. eine Röntgenaufnahme beziehungsweise eine Computertomographie (CT) angefertigt werden.

Eine perioperative Antibiose ist zu erwägen (vorbeugende Antibiotika-Gabe).

Die Operationsverfahren

Die Voraussetzung für eine Tympanoplastik ist eine ausreichende Innenohrfunktion, da ohne diese der Erfolg des Eingriffs nicht gegeben ist. Die Tympanoplastik wird notwendig, wenn das Trommelfell oder die Gehörknöchelchen durch traumatische Einwirkungen oder entzündliche Prozesse so geschädigt wurden, dass eine vollständige Ausheilung ohne rekonstruierenden Eingriff nicht möglich ist. Die Operation findet wahlweise unter Lokal- oder Allgemeinanästhesie (örtlicher Betäubung oder Vollnarkose) statt, während sich der Patient in Rückenlage befindet und der Kopf zur kontralateralen Seite (zur Gegenseite) geneigt und fixiert ist. Das Operationsgebiet, also der Bereich um das Ohr sollte von Haaren befreit sein, bzw. diese sollten z. B. weggeklebt werden.

Es gibt nach Wullstein fünf Grundtypen der Tympanoplastik, die hier im Einzelnen beschrieben werden:

Typ I – Myringoplastik: Die sogenannte Trommellfellplastik beinhaltet die alleinige Rekonstruktion des Trommelfells bei intakter Gehörknöchelchenkette.
Der Defekt wird mit körpereigenem Material, z. B. Temporalisfaszie (Faszie des Musculus temporalis – eine Muskelfaszie ist ein dünne Schicht aus straffem Bindegewebe, die einen Muskel umgibt und ihn in seiner Position bzw. Form hält. Außerdem bildet die Muskelfaszie die Abgrenzung der einzelnen Muskeln untereinander) oder Perichondrium (Das Perichondrium ist ebenfalls straffes Bindegewebe, das die Oberfläche von Knorpelgeweben bedeckt) geschlossen.

Typ II – Ossikuloplastik: Diese Operation dient der Wiederherstellung einer funktionalen Gehörknöchelchenkette, wenn diese gering beschädigt ist.
Hierbei können die Knöchelchen durch Prothesen ersetzt oder wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht werden.

Typ III: Für diese Operation bildet eine defekte Gehörknöchelchenkette mit defektem Hammer und Amboss, sowie erhaltenem oder teilweise fehlendem Steigbügel die Indikation.
Dabei wird zwischen Trommelfell und Steigbügel entweder ein Transplantat eingebracht oder der noch vorhandene Amboss des Patienten in seiner Lage verändert. Es gibt zwei Varianten der Tympanoplastik Typ III:

  • PORP = Stapeserhöhung oder Partial Ossicular Chain Rekonstructive Prosthesis; hier ist der Steigbügel erhalten und die Schallübertragung läuft vom Trommelfell über die Prothese bzw. den repositionierten Amboss zum Steigbügel;
  • TORP = Total Ossicular Chain Rekonstructive Prosthesis; hier ist nur noch der Fuß des Steigbügels vorhanden, so dass der Rest des Steigbügels auch durch eine Prothese ersetzt werden muss.

Typ IV – Schallprotektion: Hier sind die Gehörknöchelchen komplett defekt oder fehlen, so dass die Schallschwingungen direkt auf das ovale Fenster übertragen werden. Zum Schallschutz wird eine kleine künstliche Pauke angelegt (die Paukenhöhle ist der Hohlraum, in dem sich normalerweise die Gehörknöchelchen befinden).

Typ V: Die Knöchelchen fehlen und das ovale Fenster ist verschlossen so dass ein Zugang zum Innenohr geschaffen werden muss. Die Tympanoplastik Typ V nach Wullstein wird heute meist nicht mehr durchgeführt und deswegen nicht näher beschrieben. Stattdessen wird das ovale Fenster eröffnet und eine Prothese eingesetzt.

Nach der Operation

Nach der Operation sollte das Operationsgebiet einige Wochen geschützt werden. Tauchen sowie das Reisen mit einem Flugzeug sind unbedingt zu vermeiden.

Nachuntersuchungen sind notwendig und sollten eingehalten werden.